blogbucheintrag 919

Ina schreibt:

Vor einer halben Stunde konsumierte ich Kräuter aus einem Vaporizer. Besser finde ich das Wort: Vaporisator. Das klingt irgendwie erwachsener. So als wäre das etwas, das Leben retten könnte oder als wäre das ein Film mit Arnold Schwarzenegger (nichts ist in seiner Männlichkeit erwachsener als Schwarzenegger) oder vielleicht auch einfach nur ein sehr eindrucksvolles Sexspielzeug.

Mir geht’s jetzt jedenfalls besser. Nur Kräuter helfen gegen Bauchkrämpfe. In Kombination mit sehr viel Ibuprofen und Buscopan. Vielleicht würden auch eindrucksvolle Sexspielzeuge in Form von Schwarzenegger helfen, aber das hab ich noch nicht ausprobiert. Ein schönes Leben hat man als Frau. Was wäre, wenn man statt man immer frau schreiben würde? Ein schönes Leben hat frau als Frau. Wie wäre die korrekt gegenderte Form? Ein schönes Leben hat man*frau als Frau*. Aber ich denke, es wäre noch korrekter, wenn die Frau vorne stünde. Ein schönes Leben hat frau*man als Frau*. Ok. Nun bin ich zufrieden.

Aber eigentlich bin ich nicht zufrieden, weil ich ja schreckliche Bauchkrämpfe hab und deswegen Männer hasse, weil ich sie beneide. Pinkeln Männer sich auch immer über die Füße, wenn sie in den Wald pinkeln? Kennst du auch diese Art Mann, die so cool sind, dass sie zum Pinkeln nicht mal aufhören weiterzugehen? Da wird die Fleischpeitsche einfach kurz rausgehängt und der Toilettengang während des idyllischen Spaziergangs vollzogen. Herrlich. Nichts muss man dafür unterbrechen. Diese Freiheit könnten wir uns mit einer Urinella erkämpfen. Vielleicht gibt es da ja welche, die einen Strap-on haben oder schon in einer Unterhose integriert sind, so dass sie perfekt sitzen – auch während des Gehens. Dann hängt frau kurz den Schlauch raus und zack – Emanzipation im Vorbeigehen. Über die Schuhe pinkelt frau*man sich ja eh.

Vielleicht sollten wir ein Start-up gründen? Eine Urinella in Form von Schwarzenegger vielleicht. Das fände ich sehr beeindruckend und erwachsen.

Sarah schreibt:

Vaporisator ist ein mächtiges Wort – definitv etwas, was erwachsen und stärker macht und für das man mehr als eine Transportperson benötigt. Und die sind dann sicherlich auch sehr männlich, wie Arnold.

Bei Männernamen mit einsilbrigem A am Anfang muss ich übrigens immer an den gleichen Namen mit B am Anfang denken: Arnold und Benold, Aaron und Beron oder Adam und Bedam. Das machen meine Synapsen automatisch und kreieren dazu dann Zweierteams in meinem Kopf, die sich dann – bis auf ihre Frisur- unglaublich ähnlich sehen. Wenn ich es mir also recht überlege, wären Arnold und Benold das passende Team, um den Vaporisator fachgemäß – also erwachsen und männlich – zu transportieren. Zumindest wäre es wegen ihrer schwarzeneggeresquen Muskelkraft eine personaleffiziente Wahl – wobei ich mir nicht sicher bin, ob man dabei wirklich etwas sparen würde, da zumindest bei Arnold S. noch eine Promi-Pauschale hinzukommen würde, für dessen Ausgaben man dann eine ganze Möbelpackmannschaft hätte einstellen können. Aber das müsste man dann eben nochmal etwas genauer berechnen. Vielleicht stellen wir für „messen und rechnen“ dann unseren ersten Start-Up-Mitarbeiter ein, denn wie du ja spätestens beim unkonventionellen Einsatz des Hornhautentferners und der Badkommode mitbekommen hast, ist weder „Rechnen“ noch „Messen“ etwas, was zu meinen Fähigkeiten zählt.

Was hingegen dazu zählt ist „hocken“. Ich scheine mir durch meine Aversion gegen Dixitoiletten eine Open-Air-Pinkel-Superkraft in meinen Unterschenkeln angeeignet zu haben. Hier trag ich also meinen inneren Arnold und seinen B-Promi-Teamkollegen mit mir herum. Damit habe ich sogar meine Mutter letztens beeindruckt: „Sarah – du kannst wirklich beeindruckend lang hocken!“ sagte sie. Eltern, die einen loben – Daraus werden selbtbewusste Erwachsene! Ich wünschte sie wäre damit etwas früher angefangen, doch der Weg zum selbstbewussten Rentner ist geebnet.

Immerhin hab ich seither den hübschen Zusatz in meine Bewerbung eingefügt: „Zu meinen Stärken zählen kommunikative Fähigkeiten, Humor – und ich kann wirklich beeindruckend lang hocken“. Vielleicht habe ich ja Glück und langhockende Sozialarbeiter werden bei gleicher Eignung kurzhockenden Sozialarbeitern bevorzugt! Das ist dann zwar weniger Emazipation im Vorbeigehen – aber ich bin als Monotaskqueen sowieso mit diesen ganzen hektischen „to go“ Dingen meiner Generation überfordert.

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